dietrichsausgang1

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-- I/V --

 

"Das Ende der Nibelungen war gekommen, viele tausend Helden waren tot durch die Rache einer Frau. Schwerer Trauer voll waren die Tage, an denen die Toten aus dem Saal gebracht wurden, damit man sie bestatte. Von Leiche zu Leiche schreitend, erkannten Dietrich und Hildebrand die Helden, gesenkten Hauptes standen sie vor dem toten Rüdiger, dem starken Gernot und dem jungen Giselher, und mit Schmerz sahen sie die eigenen Getreuen erschlagen liegen, und Tränen stürzten dem alten Hildebrand aus den Augen, da er seinen Neffen Wolfhart fand, der das Schwert noch so fest mit der starren Faust umklammerte, daß es sich nicht herausbrechen ließ. ´Was sollen wir noch länger in diesem Land?´ sprach Dietrich zu dem alten Meister, da das riesige Leichenbegräbnis vorüber war. ´Jetzt ist keiner mehr hier, der zu uns gehört. Laß uns heimziehen, gleichviel, was uns geschehe: lieber will ich meinem Reiche kämpfend sterben als in der Fremde vor Alter.´ Hildebrand antwortete: ´Ja, laß uns heimziehn! Diesmal wird uns Etzel kein Heer mitgeben, denn zu viele der Hunnen sind gefallen. So wollen wir die Fahrt allein wagen, ob es Etzel lieb sei oder leid, daß wir aus dem Lande reiten.´ Als sie ihren Entschluß Frau Herrat mitteilten, wollte sie nicht allein zurückbleiben. ´Wohin du gehst, will ich dir folgen, bei dir will ich sein in Leben und Tod!´ sprach sie zu ihrem Mann.

 

Sie rüsteten drei Rosse für sich und nahmen noch ein viertes mit, das beluden sie mit Gold und Vorräten. Eines Abends brachen sie in aller Stille auf; Dietrich ließ die beiden anderen vor das Tor der Burg reiten; er selbst ging noch einmal zu Etzel, um Abschied zu nehmen. Er schritt in des Königs Schlafgemach und weckte ihn. ´Willkommen, Freund´, sprach Etzel; und da er ihn gerüstet vor sich stehen sah, fügte er hinzu: ´Aber warum kommst du in Waffen?´ ´Ich will in mein Land zurückreiten, um es wiederzugewinnen oder zu sterben.´ ´Bleib bei mir´, bat Etzel, ´die Zeit wird kommen, wo ich dir wieder ein Heer geben kann.´ ´Allzu viele der Deinen sind schon gefallen´, antwortete Dietrich, ´es sollen nicht noch mehr um mich sterben. Allein will ich ziehen mit Hildebrand und meiner Frau.´ Etzel erkannte bald, daß alles Bitten vergeblich war, sosehr ihn Dietrichs Scheiden grämte; sie nahmen den letzten Abschied, und der Held ging von dannen. Unter mancherlei Gefahr zog er mit Weib und Meister seinem Lande zu. Unterwegs ward ihnen Kunde, daß Ermanrich auf den Tod erkrankt sei. Sie ritten schneller, und als sie an die Grenze kamen, empfingen sie die Nachricht von seinem Tode; elend war er an schwerem Siechtum zugrunde gegangen. Da fanden sie bald Getreue, die zu ihnen stießen; denn das Land hatte unter des alten Königs harter Faust schwer geseufzt, und Dietrich war allen willkommen, die Ermanrich gehaßt hatten. So mehrte sich seine Macht, je weiter er vordrang, Bern und Raben öffneten ihm freudig ihre Tore, und die ihm widerstanden, überwältigte er rasch. Als so der größte Teil des Reichs zurückgewonnen war, gedachte Hildebrand seiner Frau Ute, die er vor dreißig Jahren mit dem kleinen Sohn zurückgelassen und nicht wiedergesehen hatte; denn auf ihrem ersten Zug waren sie nicht bis in die entfernte Mark gekommen, in der sie Zuflucht genommen hatte. Auch jetzt war die Kunde von Dietrichs und Hildebrands Rückkehr noch nicht bis dahin gedrungen. Mit einer kleinen Schar machte sich Hildebrand auf den Weg zu seiner Frau. Als er an die Grenze der Mark kam, sah er Bewaffnete, die sie hüteten, und an ihrer Spitze hielt auf weißem Roß ein hochgewachsener Held, dessen Rüstung hell in der Sonne blinkte. Dem Alten sagte sein Herz, wer der Ritter sei, er hieß die Seinen zurückbleiben und sprengte voran, da löste sich auch jener von der Schar und ritt ihm entgegen."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

-- Dietrich kehrt heim --

 

 

 

 

 

 

 



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