dritteskapitel1

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-- I/VI --

 

"Jenseits des Meeres saß eine Königin, Brunhild von Isenland, der keine zu vergleichen war an Schönheit und Kraft. Nur dem Manne wollte sie sich ergeben, der sie in drei Wettspielen überwinde: im Speerschießen, im Steinwerfen und im Springen; wenn der Freier aber unterlag, so war sein Haupt verloren. Gunther hörte von ihr und beschloß, um sie zu werben, wie es auch ergehe; Leib und Leben wollte er wagen, um ihre Minne. Siegfried warnte vor der Fahrt, zu viele Helden habe die wilde Jungfrau schon besiegt und getötet. Da aber Gunther von seinem Vorhaben nicht abstand, riet ihm Hagen, Siegfried um seinen Beistand zu bitten, da er von Brunhild am meisten Kunde habe. Das tat Gunther, und Siegfried sprach: ´Ich will dich begleiten, wenn du mir deine Schwester Kriemhild zum Weibe gibst.´ Gern versprach das Gunther, wenn durch Siegfrieds Hilfe Brunhild nach Worms komme, und sie bekräftigten den Bund mit feierlichen Eiden.

Für die Fahrt gedachte Gunther ein Heer zu sammeln, aber Siegfried sagte: ´Nein, wir wollen zur Werbung fahren nach Reckenart, vier Gesellen nur, du und ich, dazu Hagen und Dankwart. Wir vier sind tausend wert.´ Schöne Gewänder ließen sie sich bereiten, Kriemhild schuf sie mit ihren Frauen aus Seide und Pelzwerk und zierte sie mit Gold und edlen Steinen. Goldrote Schilde und Rüstungen wurden hinabgetragen zum Strand und in das kleine, starke Schiff gebracht, das auf dem Rhein bereitlag; auch die Rosse wurden an Bord geführt. Siegfried aber nahm die Tarnkappe mit, die ihm die Stärke vervielfachte und ihn unsichtbar machte. Dann verabschiedeten sie sich von den Frauen; die hätten dem König eine weniger gefährliche Brautfahrt gewünscht.

Siegfried, des Weges kundig, ward zum Schiffsmeister bestellt; er schob mit der Stange das Schiff ins Wasser, dann griffen alle zu den Rudern und fuhren rheinab, während die Frauen ihnen nachwinkten. Speise und Wein hatten sie genug, der Wind war günstig, sie ruderten mit Macht; so kamen sie rasch den Strom hinab in die See, und nach zwölf Tagen erreichten sie Isenstein, das sich, von der Burg gekrönt, mächtig aus dem Meer erhob.

´Da liegt Brunhilds Feste´, sprach Siegfried, als sie dem Strand nahten; ´und nun merkt wohl auf! Vor Brunhild werde ich sagen, daß Gunther mein König sei und ich sein Lehnsmann: dem soll keiner von euch widersprechen.´"

 

         

 

-- Der Balmung, das Schwert Siegfried´s --

 

                                                   



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