egledieschlangen1

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-- I/II --

 

--Diese Sage stammt aus Litauen --

 

"Vor sehr langer Zeit lebte einst ein Ehepaar, das hatte zwölf Söhne und drei Töchter, von denen die jüngste Egle hieß. An einem Frühlingsabend gingen alle drei Töchter, sich in einem Teich zu baden. Nachdem sie eine Zeitlang im Wasser herumgeplätschert hatten, stiegen sie heraus und wollten sich anziehen. Die jüngste sah im Ärmel ihres Hemdes lag lang ausgestreckt eine Schlange. Die älteste ergriff einen Pfahl und sprang auf die Schlange los, um sie zu vertreiben. Da wandte sich die Schlange an die jüngste und sprach zu ihr mit menschlicher Stimme: ´Gib mir, liebe Egle, dein Wort, daß du mich heiraten wirst, dann werde ich von selber herauskriechen.´ Egle fing an zu weinen; wie konnte sie eine Schlange heiraten. ´Gib mir mein Hemd´, sagte sie unfreundlich, ´und gehe deiner Wege, von denen du auch gekommen bist!´ Aber die Schlange wiederholte: ´Gib mir dein Wort, daß du mich heiraten wirst, dann werde ich von alleine gehen.´ Was sollte die arme Egle da anderes machen, und so musste sie ihr Wort geben und versprechen, die Schlange zu heiraten.

 

Nach drei Tagen sahen die Eltern ganze Haufen von Schlangen auf ihren hof kriechen. Alle erschraken und wußten nicht, was sie anfangen sollten. Die Schlangen kribbelten und wibbelten auf dem Hof umher, und ihre Freiwerber krochen in das Haus hinein, um sich mit dem Alten und Egle zu besprechen. Anfangs sträubten sich die Eltern und wollten nicht einwilligen; aber was konnten sie tun? Ob sie wollten oder nicht, sie mußten einwilligen, die Tochter aus dem Haus zu geben. Nachdem die Schlangen die Braut empfangen hatten, verließen sie sofort den Hof. Die Hausgenossen weinten um Egle und beklagten ihr Leid. So zog Egle mit ihrem ganzen Gefolge an das Meeresufer. Dort traf sie einen schönen Jüngling, der sie erwartete. Dieser sagte, er wäre dieselbe Schlange, die in den Ärmel von Egles Hemd gekrochen war. Sofort kamen alle Schlangen von der nahen Insel herüber an das Ufer, wo ein herrlich ausgeschmückter Palast stand. Hier wurde die Hochzeit ausgerichtet, drei Wochen lang tranken und tanzten sie. Im Palast gab es alles in Hülle und Fülle; keine Arbeit, nur Lust und Freude. Auch Egle beruhigte sich und gewöhnte sich an das lustige Leben; zuletzt dachte sie gar nicht mehr an ihre Eltern und ihr Vaterhaus.

 

Es vergingen neun Jahre. Und Egle hatte nun drei Söhne und ein Töchterchen, die jüngste unter den Geschwistern. Da sagte eines Tages der älteste Sohn: ´Mütterchen, wo sind nur deine Eltern? Laß mich ziehen und sie besuchen.´ Nun erst dachte Egle wieder an ihre Eltern und Geschwister, und dachte seit der ganzen Zeit das erste Mal wieder daran, ob sie noch gesund und am Leben oder vielleicht schon lange Tod wären. So bat sie ihren Mann um die Erlaubnis, ihre Heimat zu besuchen. Der Schlangenkönig war nicht einverstanden. ´Gut´, sagte er, ´du kannst auf Besuch gehen; aber erst spinne diesen Wickel Seide auf´, und dann zeigte er ihr ein Spinnrad. Egle machte sich sofort daran und spann Tag und Nacht; aber der Wickel wurde nicht kleiner. Da ging sie zu einer klugen, alten Frau, die in der Nähe wohnte, und klagte der ihr ihre Not. Die Alte sagte: ´Nimm den Wickel und werfe ihn in das Feuer, wenn du den Ofen heizt; sonst wirst du nie mit dem Spinnen fertig werden.´ Egle folgte ihrem Ratschlag und warf den Wickel in den Ofen, als sie ihn zum Brotbacken angeheizt hatte. Als die Seide zerknisterte, sah sie etwas wie eine Haspel sich über dem Feuer drehen und auch die Seide aufwickeln. Als das Gespinst auf diese Weise zu Ende war, bat sie ihren Mann, ihr die Reise wenigstens für einige Tage zu erlauben. Dieser zog ein Paar eiserne Schuhe unter der Bank hervor und sagte: ´Wenn du diese Schuhe aufgebraucht hast, kannst du gehen.´ Sie zog die Schuhe an und lief damit auf Ziegel und Eisen. Aber die Schuhe waren so fest und hart, daß es ihnen nichts schadete. Da ging sie wieder zu der Alten, und diese gab ihr den Rat, die Schuhe zum Schmied zu bringen, damit er sie in glühendes Feuer stecke. Sie tat so, und der Schmied ließ die Schuhe tüchtig verbrennen, so daß Egle sie in drei Tagen auftrug."

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 



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