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-- I/III --

 

"In Xanten am Niederrhein herrschte Siegmund; ihm gebar seine Frau Sieglinde einen Sohn, der Siegfried genannt wurde. Er war ein schöner und starker, aber wilder Knabe, der keinem Menschen untertänig sein wollte; und als er zum Jüngling heranwuchs, behagte es ihm nicht mehr, daheim zu sitzen. So entlief er eines Tages aus der väterlichen Burg, und die Eltern samt den Räten des Königs getrösteten sich der Hoffnung, das es ihn am besten bändigen werde, wenn er sich draußen allein versuchte, gewiß werde er einmal als ein kühner Recke wiederkehren.

Auf seiner Wanderung kam Siegfried an eine Schmiede, die dicht an einem großen Walde lag, und verdingte sich bei dem Schmied Mime als zweiter Knecht. Er erwies sich auch hier als so herrisch und unbezähmt, daß der Meister und der erste Knecht viele Plage mit ihm hatten; doch dachte Mime seine Kraft zu nutzen. Darum gab er ihm eines Tags seinen schwersten Hammer in die Hand, legte selbst eine glühende Eisenstange auf den Amboß und hieß ihn zuschlagen. Da ließ Siegfried den Hammer mit solcher Wucht niedersausen, daß das Eisen in Stücke sprang und der Amboß tief in die Erde fuhr. Als Mime das sah, ward es ihm leid, das er Siegfried bei sich behalten hatte; er sann darauf, wie er ihn wieder loswerden könne, und wußte sich keinen andern Rat, als ihn umzubringen. Weil er sich´s aber selbst nicht traute, beschloß er ihn in den Wald zu senden, wo ein gewaltiger Drache hauste. ´Zum Schmiede taugst du nicht´, sprach er zu dem Jüngling, ´du verdirbst mir Eisen und Werkzeug zugleich. So magst du in den Wald gehen und mir Kohle brennen.´ Und er gab ihm eine Axt,die nahm Siegfried und ging in den Wald.

Er fällte Bäume, schichtete sie zum Meiler und zündete ihn an; dann setzte er sich zum Essen und vertilgte auf einmal alle Vorräte, die ihm Mime für neun Tage mitgegeben hatte, mitsamt dem Wein. Als er fertig war, spürte er solche Kraft in sich, daß er sprach: ´Jetzt möchte ich einen hier haben, auf den ich losschlagen könnte!´ Aber kaum hatt er das gesagt, da kam aus der Tiefe des Waldes der Lindwurm gefahren, gerade auf ihn zu."

 

           

 

-- Siegfried mit dem Balmung --

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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