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-- I/IV --

 

-- Balder´s Tod --

 

"Schweres Unheil kündigte sich an: Balder, den Edlen, quälten böse, todverheißende Träume. Als er sie den Asen erzählte, hielten sie Rat, wie sie die Drohung von seinem Haupte abwenden könnten. Da ging die mütterliche Frigga hin und nahm Eide von allen Wesen und Dingen, daß sie Balder verschonen wollten, und alle schwuren ihr zu: Feuer und Wasser, Eisen und Erz, Steine und Erde, Seuchen, vierfüßige Tiere, Vögel und Giftschlangen. Als das geschehen war, schien jede Gefahr gebannt. Freudig und aufrecht stand Balder, die Brust ungeschützt, das freie Haupt vom hellen Blondhaar umweht, auf dem Thingplatz, und die Asen vergnügten sich damit, Pfeile nach ihm zu schießen, mit Schwertern nach ihm zu schlagen, Steine auf ihn zu werfen: nichts vermochte ihn zu versehren, lachend fing er die Geschosse aus der Luft, und alle freuten sich ihres unverwundbaren Lieblings. Nur Loki sah mit Neid und Haß auf das hohe Glück der Götter. In Gestalt eines alten Weibes kam er zu Frigga und sprach sie an: ´Schön ist´s, zu sehen, wie die Asen mit Balder spielen. Aber vermag ihm wirklich gar nichts in der Welt zu schaden?´ Frigga antwortete: ´Nein, nichts wird ihm schaden, ich habe Eide empfangen von allen Wesen und Dingen.´ Loki fragte weiter: ´Haben wirklich alle ohne Ausnahme geschworen?´ Lächelnd antwortete Frigga: ´Im Westen Walhalla´s sah ich einen kleinen Mistelzweig, der war so jung und schwach, daß ich ihm den Eid nicht abnahm.´

 

Da ging Loki hinweg und brach den Mistelzweig ab. Er eilte mit ihm zum Thing zurück und sah abseits von allen den Hödur stehen: der nahm als einziger an dem Spiel nicht teil, denn er war blind. Loki trat, von den anderen Göttern unbemerkt, hinter ihn und fragte: ´Warum schießt du nicht auch einmal nach Balder?´ Hödur antwortete: ´Ich sehe ja nicht, wo er steht, und ich habe ja auch keine Waffe.´ ´Ich will dir helfen´, sprach Loki, ´damit du wie die anderen Asen Balder Ehre erweisen kannst. Schieße nach ihm mit dieser Gerte, ich will den Schuß lenken!´ Da nahm Hödur den Mistelzweig und schoß, wie Loki lenkte, und während der Verräter rasch entschwand, durchbohrte der Zweig Balder, daß er tot zur Erde fiel. Nie wurde bei Göttern und Menschen ein unheilvollerer Schuß getan. Den Asen sanken die Hände, sie standen erstarrt vor Schreck, das Wort erstarb ihnen im Munde. Fassungslos blickten sie einander an und auf den unglücklichen Schützen, aber keiner legte Hand an ihn, so heilig war die Stätte. Vergebens versuchten sie zu sprechen, sie vermochten es nicht, denn zu gewaltsam entstürzten ihnen die Tränen. Keiner aber trug tiefer an dem Leid als Odin, denn keiner wußte so gut wie er, was die Götter mit Balder verloren hatten. Als die Asen sich endlich gefasst hatten, gingen sie miteinander zu Rate, und Frigga sagte: ´Wer unter euch allen meine ganze Huld und Liebe gewinnen will, der reite hinab zur Hel und biete ihr Lösegeld, damit sie Balder freigibt und uns wiederschickt.´ Es erbot sich der kühne Hermod, Odin´s Sohn, zu dem Ritt. Der Vater gab ihm seinen Hengst Sleipnir, Hermod schwang sich auf und sprengte davon. Die Asen aber rüsteten Balder ein Leichenbegängnis, wie es noch keinem je bereitet ward. Alle Götter waren zur Stelle, allen voran Odin und Frigga, begleitet von allen Walküren und Einheriern; Frey kam auf seinem Wagen, vom goldborstigen Eber gezogen, Heimdall auf seinem goldmähnigen Hengst, Freia mit ihrem Katzengespann; aber es waren auch Zwerge da und selbst manche aus dem Geschlecht der Berg- und Reifriesen; denn alle waren Balder hold gewesen.

 

Sie trugen seine Leiche hinab zum Meer, um sie auf sein Schiff zu betten, das größte und schönste von allen. Als sie es aber vom Strand hinabstoßen wollten in die Flut, rührte es sich nicht vom Flecke. Da riefen sie die Riesin Hyrockin zu Hilfe. Sie kam angeritten auf einem Wolf, der mit Schlangen aufgezäumt war, und als sie absprang, mussten vier Berserker das unbärdige Tier auf den Boden werfen, um es zu bändigen. Mit wildem Griff packte die Riesin den Bug des Schiffes, mit einem Ruck riß sie es vorwärts, daß das Feuer aus den Walzen stob und die Erde erbebte. So furchtbar war der Anblick ihrer Riesenkraft, daß Thor ergrimmte und den Hammer hob, um sie zu erschlagen, doch die Götter baten ihn, Frieden zu halten."

 

 

 

 

         

 

 

 

 

-- Loki verführt den Hödur zum Schuß --

 

 

 

 

 

 



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