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-- I/III --

 

-- Die Kleinode der Asen --

 

"Einen bösen Streich beging Loki gegen Sif, die Gattin Thor´s. Sie hatte das schönste blonde Haar, üppig wie ein goldenes Feld; es war ihr stolz und die Freude des starken Gottes. Als sie einmal allein und unbewacht schlief, schlich sich Loki zu ihr und schnitt ihr das ganze Haar dicht über der Wurzel ab. Aber Thor entdeckte, wer den Frevel begangen hatte; er packte ihn an der Gurgel und schüttelte ihn, daß ihm die Knochen zu zerbrechen drohten. Da bekam der Tückische Angst und flehte um Gnade: ´Ich will – das schwör ich dir mit den stärksten Eiden – zur Sühne von den Zwergen ein neues Haupthaar für Sif machen lassen, das ganz aus Gold ist und wächst wie anderes Haar!´ darauf ließ Thor ihn aus den Fäusten, und Loki ging zu drei Zwergen, die er als kunstreiche Schmiede kannte. Sie fertigten ihm nicht nur das Haar, wie er verlangte, sondern außerdem noch ein wunderbares Schiff, groß genug, alle Asen zu fassen, und doch zusammenfaltbar, daß man es in die Tasche stecken konnte; und zum dritten den bezauberten Speer Gungnir, dessen Stoß keiner aufhalten vermochte. Als Loki mit diesen köstlichern Kleinoden auf dem Heimweg war, begegnete er dem Zwerge Brock und rühmte ihm die kunstvollen Werke über alle Maßen. Aber Brock sagte: ´Mein Bruder Sindri ist ein Schmied, der Kleinode von gleichem und noch höherem Wert herzustellen versteht!´ Das wollte Loki nicht glauben; und so schloß er mit Brock eine Wette darüber, Kopf gegen Kopf.

 

Sie gingen miteinander zur Schmiede Sindris und erzählten ihm, was sie ausgemacht hatten. ´Wir wollen´s erproben!´ sprach Sindri, legte eine Schweinshaut ins Schmiedefeuer und setzte den Bruder an den Blasebalg mit der Ermahnung: ´Hör nicht auf mit Blasen, bis die Arbeit fertig ist!´ Loki stellte sich heimlich hinter die Tür und schaute zu. Als er sah, wie eifrig Sindri schmiedete und Brock blies, bangte er um seinen Kopf; er verwandelte sich in eine Fliege, die sich auf Brocks Hand setzte und ihn stach. Doch der Zwerg achtete nicht darauf und blies weiter, bis Sindri das fertige Werk aus dem Feuer zog; da war ein Eber mit goldenen Borsten. Dann legte der Meister ein Stück Gold ins Feuer und hieß abermals den Bruder blasen, ohne auszusetzen. Die Fliege kam wieder, setzte sich auf Brocks Hand und stach ihn doppelt so lange als vorher; er zuckte ein wenig mit der Haut, aber fuhr unbeirrt mit blasen fort. Als der Schmied das Werk aus der Glut nahm, war es der Ring Draupnir.

 

Endlich legte er Eisen ins Feuer und schärfte den Bruder wiederum ein: ´jetzt höre keinen Augenblick auf, sonst wird das Werk unbrauchbar!´ Broch blies mit Macht; da setzte sich die Fliege zwischen seine Brauen und stach ihn so mächtig, daß ihm das Blut in die Augen rann und er nichts mehr sah. Blitzschnell fuhr der Zwerg mit der Hand ins Gesicht, die Fliege wegzujagen, und einen Augenblick sank der Balg zusammen. Sindri schalt, nun war das Werk verdorben. Als er es aus dem Feuer nahm, war es ein blitzender Hammer, ganz untadelig bis auf den Stiel, der ein wenig zu kurz geraten schien. Sindri gab die drei Kleinode seinem Bruder und sprach: ´Nun geh mit Loki nach Asgard, damit dort über die Wette entschieden werde!´"

 

 

 

         

 

 

 

         

 

-- Odin mit Gungnir --                  -- Der Ring Draupnir --

 

 

 

 

 

 



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