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-- II/VI --

 

"Da bat Bölwerk den Baugi, ihm zu helfen, daß er mit List an den Trank komme, und Baugi sagte es zu. Bölwerk zog nun einen Bohrer hervor und bat Baugi, den Felsen zu durchbohren. Baugi begann zu bohren und sagte nach einer Weile, jetzt sei er fertig; Bölwerk blies in das Loch, und ihm flogen die Späne entgegen: daran merkte Bölwerk, das Baugi ihn betrügen wollte, und hieß ihn, seine Sache besser zu machen. Als Baugi das nächste mal absetzte und Bölwerk blies, flogen die Späne nach innen. Nun verwandelte sich Bölwerk in eine Schlange und schlüpfte in das Loch; der verräterische Baugi stach ihm mit dem Bohrer nach, verfehlte ihn aber. So gelangte Bölwerk glücklich zu Günlod. Sie saß auf einem goldenen Sessel, und bei ihr standen drei Kessel, gefüllt mit dem köstlichen Met. Sie war sehr hold, und Bölwerk warb um ihre Gunst, er schwor ihr den Ringeid und blieb drei Nächte bei ihr. Da versprach sie ihm drei Züge von dem Met, und mit jedem Zug trank er einen der Kessel leer, sodaß er den ganzen Met in sich hatte. Dann aber verließ er Günlod, seines Eides nicht mehr gedenkend, und als er dem Fels entschlüpft war, wandelte er sich in eines Adlers Gestalt und flog eilends Asgard zu.

 

Suttung, den Raub gewahrend, griff  zu seinem eigenen Adlergewand und verfolgte den Fliehenden. Als die Asen Odin heranfliegen sahen, stellten sie große Schüsseln in den Hof, und sobald er über Asgard schwebte, spie er, noch aus der Luft den Met hinein. Fast hätte Suttung den Gott eingeholt, aber nach Asgard hinein wagte er nicht zu folgen und kehrte zornig um. Von dem Dichtermet teilte Odin den Asen aus – vor allem Bragi, der der Gott der Dichter wurde – und nachmals auch den Menschen, die zu Dichtern berufen waren. Einer von ihnen hat später diese Geschichte erzählt und, da er ein Schalk war, ihr noch einen lustigen Schnörkel angehängt: es soll nämlich Odin, als ihm Suttung so hart auf den Fersen war, ein wenig von dem geschluckten Met nach hinten verspritzt haben – und daher stammen die schlechten Dichter.

 

Seht: auch über Odin´s Gesicht gleitete zuweilen ein Strahl des Lächelns, obwohl es sonst Spiegel eines unerbittlichen Schicksals und eines bitteren Wissens ist. Denn er als der einzige unter den Asen wußte, das die ganze Herrlichkeit der Götter einmal untergehen und das All in heißer Lohe verlodern mußte. Bis zum letzten Kampf aber waltete er seines Amtes. Einen hohen Sitz hatte er sich erbaut mitten in Asgard; von ihm aus blickte er über die ganze Welt.

 

 

 

-- Gylfi in Walhalla --

 

Tiefes Geheimnis war um Odin, keiner kannte ihn ganz. Waren es nicht drei göttliche Brüder, Odin, Wili und We, die den Riesen Ymir erschlugen und aus seinem Fleisch und Bein die Welten bauten, waren es nicht wiederum die drei, die die ersten Menschen schufen, indem der eine ihnen Atem, der zweite Vernunft und der dritte Empfindung schenkte? Atem, Vernunft, Empfindung: sie zusammen erst machen des Menschen Wesen aus, in jedem einem sind alle drei, und so sind die drei Götter doch auch nur die dreifache Kraft in einem, in Allvater, den die Menschen Odin nennen. Einem einzigen Sterblichen erschien Odin seither einmal in dreifältiger Gestalt: Dem König Gylfi, und ihm gewährte er Einblick in sein Wissen um Götter und Welten.

 

Alles Wissens Ströme mündeten in Odin; er nahm die Weisheit Mimir´s auf und die dunkle Kunde der Wala. Keiner kam ihm je gleich in der Kenntnis der Dinge und aller heimlichen Namen, und wenn es einer wagte, mit ihm zu streiten, wer der weisere sei, so mußte er unterliegen; ein eisgrauer Riese, Wafthrudnir, verwettete im Wissensstreit mit ihm seinen Kopf. Aber einmal ließ Odin es zu, daß ein Mann ihn befragte: Gylfi stand er Rede und Antwort, sodaß das wissen von verborgenen Dingen des Himmels und der Erde seitdem unter die Menschen kam."

 

 

 

        

 

 

 

-- Odin, Herr der Walküren --

 

 

 

 

 

 



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