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-- III/III --

 

"Hoch oben in Yggdrasil´s Krone saß ein Adler, er schrie zornige Scheltworte gegen den Drachen, und der antwortete aus der Tiefe mit giftigen Schmähungen; zwischen den beiden ewigen Gegnern aber rannte am Stamm hurtig das Eichhörnchen Ratatösk auf und ab und trug die Zornesreden des einen zum andern. Aber noch stand die Esche unerschüttert, und noch war der Bestand der Welt nicht bedroht. Wohl schlug im Norden ein Riese mit mächtigen Adlerflügeln, dann kam ein Sturm, der Meer und Feuer aufpeitschte: aber der starke Baum wankte nicht. Eisriesen schickten den grimmigen Winter aus: aber  immer wieder mußte er dem Sommer weichen. Gar fest begründet war die Ordnung der Jahre und Tage. Allmorgendlich ritt der Tag empor auf seinem Hengst Goldmähne, von dem heller Glanz strahlte; allabendlich fuhr die Nacht hinab auf dem Hengst Reifmähne, von dem kühler Tau in die Täler tropfte. Sonne und Mond vollendeten in leuchtendem Wagen ihren Lauf; hinter jedem der Gestirne setzte ein Wolf her, Geschöpf der Finsternis, gierig, die lockende Beute zu verschlingen: aber noch erraffte sie keiner.

 

In Frieden lagen Asgard und Midgard, Götter- und Menschenland, sicher ruhte das Heim der Asen in seinem eigenen Schutz. Mit der übrigen Welt hing es durch eine Brücke zusammen, die sich in vielfarbigen Glanz wölbte – Bifröst nannten sie die Götter und die Menschen Regenbogen -, und an ihrem Fuß wachte Heimdall, der helläugige Ase, bereit, ins Horn zu stoßen, wenn jemand ihr nahte. Nichts als ewiges Glück herrschte in Asgard, alle, die darin weilten, freuten sich, die Asen sowohl wie die seligen Lichtalben, die am Südende des Himmels, hoch oben im Blau, den strahlenden Saal Gimle bewohnten. Die Götter lebten fortan ihre goldene Zeit. Ihr höchster war Odin, aber mit ihm hausten viele andere: Frigga, sein Weib, voll Würde und Klugheit, und ihrer beider Sohn der lichte Balder; der starke Thor, Odin´s Sohn von der großen Mutter Erde, rothaarig und rotbärtig, Schützer der Saaten und Freund der Bauern, und seine Gattin Sif, blond wie ein reifes Ährenfeld; der kühne Tyr, Thor an streitbarer Kraft am nächsten; Heimdall, der Himmelswächter, keines Schlafs bedürftig, scharfäugig und scharfhörig; der kluge Bragi und sein Weib Idun, die Hüterin der wunderbaren Äpfel, an denen die Götter sich immer wieder ewige Jugend aßen; der schweigsame Widar und der blinde Hödur. In Wonne und Herrlichkeit verbrachten sie ihr Dasein, reich geschmückt gingen sie einher, spielten mit goldenen Bällen, und ließen die Würfel rollen oder zogen die Steine auf dem Brett.

 

Nur einer war, der sich damals schon um schwere Rätsel mühte: Odin, der höchste und älteste aller Götter, er, der sich noch des dunklen Untergrunds bewusst war und ahnend in die dunkle, vernichtende Zukunft blickte."

 

 

 

         

 

 

 

 

-- Asgard, Sitz der Götter --

 

 

 

 

 

 

 

 



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