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-- III/III --

 

"Nun schickten sie Frey´s Boten Skirnir zu den Zwergen und ließen von ihnen eine Zauberfessel herstellen; sie sah so zart und weich aus wie ein seidenes Band, aber sie war von ungeheurer Stärke. Als sie die Fessel hatten, ruderten sie hinaus zu einem einsamen Eiland und nahmen den Wolf mit. Dort zeigten sie ihm das Band und sagten, es sei recht fest, obwohl man es ihm nicht ansehe; von ihnen selbst könne es keiner zerreißen – und sie erprobten es reihum mit beiden Händen. ´Aber für dich wird es nach den früheren Proben gewiß ein kleines sein, diese Fessel zu sprengen!´ sprachen also dann die Götter zu dem Wolf. Der Wolf betrachtete das Band voll Misstrauen und antwortete: ´Ein so dünnes Schnürchen zu zerreißen, kann mir schwerlich viel Ruhm einbringen, wenn es dabei natürlich zugeht. Aber ist das Ding mit List und Tücke gemacht, werde ich mich sehr hüten, es an meine Beine zu lassen.´ Da sagten die Götter: ´Nun, du müsstest doch eigentlich ein so dünnes Seidenband ohne Mühe zerreißen können, nachdem du vorher dicke Eisenketten sprengtest! Wenn du aber damit nicht fertig wirst, dann brauchen wir überhaupt keine Angst mehr vor dir zu haben und werden dich ganz von selbst wieder losbinden.´ doch der Wolf erwiderte: ´Wenn ihr mich erst einmal so gebunden habt, daß ich nicht mehr selbst losmachen kann, dann könnte ich gewiß lange warten, bis ihr es tut! Ich habe wahrhaftig wenig Lust, mir dieses Band anlegen zu lassen! Aber wenn ihr glaubt, ich sei feige, will ich´s dennoch wagen: doch muß dann auch einer von euch den Mut haben, mir seine Hand in den Rachen zu stecken, zum Pfande dafür, daß ihr mich nicht betrügt!´ Die Götter schauten sich betreten an, und keiner hatte Lust, seine Hand zu wagen. Da trat Tyr vor und legte die Rechte in den Rachen des Ungeheuers. Jetzt streckte es sofort seine Tatzen hin und ließ sich fesseln. Aber als es sich zu stemmen begann, härtete sich das Band, und je mehr der Wolf sich mühte und herumwarf, umso schärfer schnitt die Fessel ein. Da lachten die Götter, daß es ihnen mit List geglückt war, nur Tyr lachte nicht mit; denn der Wolf biß ihm die Hand glatt vom Gelenk.

 

Die Götter zogen das Ende des Bandes durch eine große Steinplatte, die sie tief in einer Felsenschlucht verankerten. Aber der Wolf schnappte immer noch wie rasend um sich, um sie zu beißen, da sie ihn so betrogen hatten. Da nahmen sie ein Schwert und stießen es in seinen Rachen, daß der Griff den unteren Teil des Gaumens berührte, und die Spitze den oberen: so ward ihm das Maul gesperrt. In ohnmächtiger Wut heulte er fürchterlich, ein Geiferstrom floß ihm aus den Lefzen: so hilflos gefesselt sollte er fortan liegen bis zum Ende aller Tage.

 

Loki´s Brut hatten die Götter unschädlich gemacht; aber ihm selbst fügten sie kein Leid zu; ja, sie duldeten ihn sogar unter sich. Denn er glich nicht eben diesen Ungeheuern, sondern war trotz seiner riesenhaften Herkunft eher zierlichen Wuchses und gebildet wie die Asen selbst, von schönem, hellem Antlitz. Klug war er und wußte immer gute Ratschläge; daß sich jedoch hinter ihnen oft Tücke und Bosheit verbarg, sollten die Götter erst allmählich gewahr werden. Vorerst mochten sie ihn wohl leiden, ja, sie liebten ihn sogar, der hohe Odin sowohl als wie auch der starke Thor, und er durfte sie oft auf ihren Fahrten begleiten. Odin machte ihn sogar zu seinem Blutsbruder. So weilte Loki gerne in Asgard und führte auch ein Weib heim: sie hieß Sigyn und gebar ihm zwei wohlgebildete Söhne."

 

 

 

 

         

 

 

 

         

 

-- Hel, Herrin und Göttin der Unterwelt --

 

 

 

 

 



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