vierteskapitel1

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-- I/X --

 

"All diese Jahre hindurch quälte sich Brunhild um das Geheimnis, das Siegfried umgab. Mit eigenen Augen hatte sie in Isenland gesehen, daß er Gunther die Dienste des Eigenholden erwies, vor ihren eigenen Ohren hatte er sich den Mann des Königs genannt; dennoch brüstete sich Kriemhild, als sei ihr Mann ein freier König, und nie war er seit seiner Hochzeit nach Worms gekommen, um Gunther Huldigung zu tun. Endlich sagte sie zu ihrem Gemahl: ´Gern würde ich Kriemhild einmal wiedersehen; befiehl Siegfried zu Hofe zu kommen!´ Gunther suchte Ausflucht: ´Sie wohnen zu fern von uns.´ Aber Brunhild drängte weiter: ´Muß nicht ein Dienstmann, und sei er noch so mächtig, tun was ihm sein Herr gebietet?´ Lächelnd wehrte Gunther ab, aber sie gab keine Ruhe. Immer wieder lag sie ihm an, Siegfried und Kreimhild nach Worms einzuladen, daß er ihr endlich willfahrte und eine stattliche Gesandschaft nach Xanten schickte, um das junge Königspaar und auch den alten König Siegmund zu einem großen Fest nach Worms zu bitten. Die Boten wurden aufs beste aufgenommen; mit reichem Lohn beschenkt konnten sie bald zurückkehren und Gunther melden, daß die Geladenen freudig zugesagt hatten. Sie wußten viel zu berichten, wie herrlich Siegfried und Kriemhild zu Xanten Hof hielten, und wiesen die Gaben vor, die sie empfangen hatten - nie war ein Fürst freigebiger. ´Ja, er kann getrost mit beiden Händen verschenken,´ sagte Hagen; ´und lebte er ewig - unerschöpflich ist der Niebelungenhort, den er sein nennt. Ich wünschte, wir hätten solchen Schatz!´

Wahrlich des Staunens wert war Siegfrieds Macht und Reichtum, das sahen alle, als das Königspaar und der greise Siegesmund in Worms einzogen. Nicht weniger als tausend Recken ritten hinter Siegfried her, alle in prunkender Rüstung, und Kriemhild war von einer Schar reich geschmückter Frauen umgeben. Die Gäste wurden mit hohen Ehren aufgenommen, und Brunhild umarmte Kriemhild mit schwesterlicher Zärtlichkeit. Aber auf Siegfried blickte sie mit Befremden: weniger als je konnte sie verstehen, daß einer so reich und mächtig sein sollte, der kein freier Fürst war.

Tag auf Tag verging mit rauschenden Festen. Am elften saßen die Königinnen zusammen und sahen den ritterlichen Spielen zu, und Kriemhild begann aus dem Glück ihres Herzens heraus ihren Mann zu preisen: ´Ja, er ist so herrlich, daß ihm alle Reiche untertan sein müßten!´ "

 

         

 

-- Der Streit der Königinnen --

 

 

 



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