zweiteskapitel1

Zurück

 

-- I/V --

 

"In Worms, am Hof der Burgunden, wuchs eine Jungfrau auf, Kriemhild geheißen, über die Maßen schön und aller Tugend voll. Drei edle Könige waren ihre Brüder, Gunther, Gernot und der junge Gieselher; sie führten gemeinsam die Herrschaft nach dem Tode ihres Vaters, und viele kühne Recken dienten ihnen: der starke Hagen von Tronje, unter allen der gewaltigste, und sein Bruder, der schnelle Dankwart, ihr Marschall; die Markgrafen Gere und Eckeward, Ortwin von Metz der Truchseß, Sindolt der Schenke, Hunolt der Kämmerer, Rumolt der Küchenmeister und Volker von Alzey, der Spielmann. In hohen Ehren stand der Hof, über dessen Zucht Frau Ute wachte, die Mutter der Könige.

Eines Nachts träumte Kriemhild, sie zöge sich einen wilden Falken auf, den würgten ihr zwei Adler; davon geschah ihr tiefes Herzeleid. Die Mutter wußte ihr den Traum zu deuten: ´Der Falke ist ein edler Mann; Gott möge ihn behüten, sonst wirst du ihn verlieren.´ Nein, sagte da die Jungfrau, dann wolle sie keinen Mann; aber die Mutter sprach: ´Verrede es nicht so ganz, nie wird ein schönes Weib von Herzen froh werden ohne Mannesminne.´ Doch Kriemhild wehrte ab: ´Liebe pflegt mit Leid zu enden; ich will mich vor beiden hüten.´ Danach tat sie auch; sie hielt ihr Herz frei, bis endlich doch der Held kam, der sie gewann. Und an ihm sollte ihr Traum wahr werden.

Der Ruf der schönen spröden Jungfrau, die jeden Freier ausschlug, lief durch alle Lande; auch Siegfried, der junge Held von Niederland, vernahm von ihr, und er beschloß, um sie zu werben. Seine Eltern vernahmen das nicht gern; sie fürchteten, wenn ihr Sohn die Jungfrau nicht im guten erbitten könnte, werde Streit entbrennen mit den stolzen Burgundenkönigen und ihren trotzigen Recken. Da er jedoch auf seinem Willen beharrte, wollte Siegmund seinen Heerbann aufbieten, damit der Sohn mit großer Macht nach Worms gefahren komme. Aber Siegfried sprach: ´Ich will keine Heerfahrt tun, mit meiner Hand allein will ich die schöne Jungfrau gewinnen, und nicht mehr als zwölf Recken sollen mich begleiten.´ Darein mußten sich die Eltern fügen. Die Begleiter wurden erwählt und aufs prächtigste ausgerüstet; mit ihnen zog Siegfried davon und gelangte am Siebenten Morgen nach Worms."

 

         

 

  

-- Königin Ute von Burgund --

 

 

 

 

 

 



Datenschutzerklärung
Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!